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Rallye
Die Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft
Mit Automobilen durch unwirtliche Landschaften über Straßen, Feld- und Waldwege zu rasen, das hat ehrgeizige Fahrer schon sehr früh gereizt. Und so gab es schon im frühen 20. Jahrhundert die erste Rallye, und sie ist nach wie vor die berühmteste überhaupt: 1911 trafen sich begeisterte Automobilisten zur ersten Rallye Monte Carlo. Am Start waren schon damals Piloten aus verschiedenen Ländern.
Die Deutschen waren damals noch nicht dabei, sie veranstalteten ihr eigenes Rennen, rund um Bad Homburg. Später traf man sich dann in Frankreich, um gemeinsame Fahrtests durchzuführen. Und so entwickelten sich die Rallye-Läufe ständig weiter. Zunächst war es für die Piloten eher ein touristischer Ausflug, bei dem sie sich mit ihrem Wagen in der jeweiligen Umgebung orientieren mussten.
Dann wurde eine Zuverlässigkeitsprüfung für die Fahrzeuge eingeführt und im Laufe der Zeit wurden dann auch die einzelnen Wertungsprüfungen und Etappen in ihrer heutigen Form entwickelt: Ein Tag ist eine Etappe, auf der verschiedene Wertungsprüfungen gefahren werden. Von einer Wertungsprüfung zur nächsten fahren die Piloten über normale Straßen, deshalb müssen alle Fahrzeuge auch eine Straßenzulassung haben. Sieger ist derjenige Pilot, der in der Addition aller Prüfungen die beste Zeit hat.
Ab 1968 gab es die so genannte "International Championship", die Rallye-Weltmeisterschaft wurde dann 1973 ins Leben gerufen. Allerdings wurde der Titel zunächst nur an die Hersteller vergeben. Eine Fahrerwertung gibt es erst seit 1979. In den Jahren 1977 und 1978 fuhren die Piloten aber bereits um den FIA-Cup.
In den mittlerweile über drei Jahrzehnten Rallye-WM wurden Legenden geboren, Hersteller und Piloten machten sich einen großen Namen. Gleich zum Auftakt 1973 dominierten die Renault Alpine mit sechs Siegen.
Schon das zweite Jahr 1974 wurde für die WRC kurios: Wegen der Ölkrise entfielen zahlreiche Läufe, darunter die Rallye Monte Carlo. Dort, wo gefahren werden konnte, wurde das Benzin auf Bezugsscheine verteilt. Und das Jahr 1974 brachte den erfolgreichsten Hersteller überhaupt in die WRC: erst zur Saisonhälfte stieg Lancia mit ein und holte auf Anhieb den Titel. Es war der erste von insgesamt elf Weltmeistertiteln für die Hersteller aus Italien - dieser Rekord wird auch in den nächsten Jahren nicht gebrochen werden können.
Erst 1977 wurde die Erfolgsserie von Lancia unterbrochen, Fiat holte sich den Titel mit dem 131 Abarth, für Lancia begann eine längere Durststrecke, die bis 1983 dauern sollte.
1979 ging es dann erstmals auch bei den Piloten um den Weltmeistertitel. Erster Champion wurde der Schwede Björn Waldegård, mit nur einem Punkt Vorsprung vor dem Finnen Hannu Mikkola. Das spannende Saisonfinale wurde an der Elfenbeinküste gefahren, beide Piloten sind für diesen Showdown zu Mercedes gewechselt. Mikkola gewann den Lauf, doch in der Gesamtwertung hatte sein schwedischer Rivale die Nase vorn.
Ein Jahr später ging Deutschlands großer Rallye-Stern auf: Walter Röhrl holte seinen ersten Weltmeistertitel, der zweite folgte 1982. Mit 472 eingefahrenen WM-Punkten ist Röhrl heute noch die deutsche Rallye-Legende.
In der Rallye-WM ging es Schlag auf Schlag: 1981 holte Michèle Mouton in Italien als erste Frau einen Sieg bei einem WM-Lauf, aber für noch mehr Aufsehen sorgte eine technische Revolution. Audi brachte den Quattro in den Rallyesport und war damit der Vorreiter in Sachen Allradantrieb. Im darauf folgenden Jahr 1982 dominierten die auf allen Vieren angetriebenen Audis das Feld, der Quattro aus Ingolstadt holte den ersten von zwei Hersteller-Titeln.
In der Fahrerwertung 1982 gab es ein Duell der Geschlechter, Walter Röhrl gegen Michèle Mouton. Die Französin im Audi lieferte sich einen heißen Kampf gegen den deutschen Opel-Piloten und wurde damit die beste Frau der Rallye-Geschichte. Mouton konnte bis zum vorletzten Lauf gegenhalten. Dann erfuhr sie drei Stunden vor dem Start vom Tod ihres Vaters, riskierte auf der Strecke zuviel und fiel aus. Damit wurde Röhrl vorzeitig Meister.
1983 gelang Lancia das Comeback des Jahres: Mit dem neuen 037 konnten die Italiener den übermächtigen Audis Paroli bieten und Weltmeister bei den Herstellern werden. Bei den Fahrern siegte mit Hannu Mikkola allerdings wieder ein Audi-Pilot.
1985 folgte bei den Herstellern die Wachablösung, die große Zeit von Audi war wieder vorbei, jetzt dominierte Peugeot mit dem 205. Den Franzosen gelang der Doppelschlag 1985 und 1986: Titelgewinn bei den Herstellern und mit Timo Salonen und Juha Kankkunen jeweils auch bei den Fahren.
Doch auch die Peugeot-Dominanz war nicht unendlich: Schon bald setzte Lancia zum zweiten Comeback nach 1983 an und diesmal hatten die Italiener durchschlagenden Erfolg. Sie verpflichteten 1987 Weltmeister Kankunnen - der heute mit vier Titeln neben Tommi Mäkinen der erfolgreichste Pilot überhaupt ist - und eine lange Ära begann. Sechs Jahre in Folge wurde Lancia Hersteller-Weltmeister, mit Kankkunen und Massimo Biasion holte man außerdem drei Jahre in Folge den Fahrertitel. Diese Serie ist bisher in der WRC nicht wiederholt worden.
Erst 1990 konnte zumindest ein Nicht-Lancia-Pilot in der Fahrerwertung die italienische Dominanz durchbrechen: Carlos Sainz im Toyota. Der Spanier ist zur Legende geworden, mit 26 Siegen war er jahrelang siegreichster Pilot aller Zeiten und wurde in dieser Wertung erst 2006 von Sébastien Loeb überholt.
1992 war das letzte große Lancia-Jahr, noch einmal holte das Team den Markentitel, bei den Piloten war aber wieder Sainz im Toyota vorne. Danach war die Lancia-Ära zu Ende: mit elf Hersteller- und vier Fahrertiteln im Gepäck verschwanden die Italiener im Niemandsland.
Während Lancia seinen Schwanengesang erlebte, brachen in der Rallye-WM japanische Zeiten an. Toyota hatte mit den Fahrertiteln durch Sainz schon Stärke gezeigt, und nun drängten Subaru und Mitsubishi dazu. Juha Kankkunen, Doppelweltmeister mit Lancia und vorher schon im Peugeot erfolgreich gewesen, hatte inzwischen bei Toyota angeheuert und holte 1993 Titel Nummer vier - "König Juha" wird er seitdem genannt. Toyota wurde auch 1994 mir Didier Auriol Fahrerweltmeister, außerdem wurden sie in beiden Jahren Marken-Weltmeister.
Doch 1995 wurde das Skandaljahr für Toyota: Am Ende der Saison kam heraus, dass das Werskteam mit illegalen Air-Restriktoren unterwegs war. Die Piloten bekamen alle Punkte aberkannt, Toyota wurde für ein Jahr gesperrt.
Damit begann die Ära von Subaru und Mitsubishi, von Impreza und Lancer. Nach der Disqualifikation von Toyota war Subaru ab 1995 drei Jahre lang das Maß aller Dinge und holte mit Colin McRae auch einen Fahrertitel. In der Fahrerwertung begann allerdings ein Jahr später eine atemberaubende Serie von Mitsubishi: Vier Mal hintereinander, von 1996 bis 1999 wurde Tommi Mäkinen im Mitsubishi Fahrerweltmeister - nur ein anderer Pilot, nämlich Kankkunen, hatte ebenso viele Titel gesammelt, allerdings nicht in aufeinander folgenden Jahren.
Die Jahrtausendwende war auch in der Rallye-WM eine Zeit des Umbruchs. Nach der Saison 1999 endete die Dominanz von Mäkinen bei den Fahrern, Toyota stieg nach einem letzten Titelgewinn bei den Herstellern aus und Peugeot kehrte zurück. Mit dem Jahr 2000 begann also auch für die WRC die Neuzeit.
Was in den späten 1990er-Jahren die Japaner in der WRC waren, waren im neuen Jahrtausend die Franzosen. Peugeot wurde dreimal hintereinander mit dem 206 WRC Markenweltmeister, und konnte 2000 und 2002 mit Marcus Grönholm auch zweimal den Fahrertitel holen. Im Hintergrund lauerte allerdings schon Citroën mit einem jungen Piloten aus dem Elsass.
Dieser junge, noch weitgehend unbekannte Franzose konnte mit seinem Citroën bei der Deutschland-Rallye 2002 zum ersten Mal gewinnen. Im Servicepark am Bostalsee drängten sich danach die Fans und Journalisten und waren gespannt, was er wohl zu sagen hatte, dieser junge Pilot mit dem Namen Sébastien Loeb.
Inzwischen hat Loeb so viele Siege geholt wie kein anderer Fahrer in der Rallye-WM, wurde dreimal in Folge Weltmeister, 2006 sogar mit gebrochenem Arm auf dem Sofa und Citroën war mit drei Markentiteln der erfolgreichste Hersteller der jüngsten Vergangenheit.
In den vergangenen Jahren wurde das Programm bei den WM-Läufen erheblich verändert, vor allem, damit Fernsehsender die zahlreichen Prüfungen einfacher und überschaubarer übertragen können. Um den gesamten Ablauf zu verkürzen, wurden zahlreiche Prüfungen gestrichen und das Programm gestrafft. Die legendäre "Nacht der langen Messer" bei der Rallye Monte Carlo zum Beispiel wurde abgeschafft, erst bei der 2007er-Ausgabe der "Monte" gab es erstmals nach über zehn Jahren wieder Nachtprüfungen am Donnerstag.
Viele Hersteller monierten aber die immer höher werdenden Kosten in der WRC, viele - wie zum Beispiel Lancia, Peugeot, Mitsubishi, Audi und Toyota - stiegen aus, ihre Autos werden, wenn überhaupt, nur noch von Privatiers bei der WM an den Start gebracht. In der aktuellen Saison 2007 sind nur noch Citroën, Ford und Subaru mit Werksteams vertreten.
2002 hat die WRC ihren Weg auch nach Deutschland gefunden - seitdem zählt die ADAC-Rallye Deutschland quer durch den Hunsrück bei Trier zur Weltmeisterschaft. Sämtliche seitdem ausgetragenen fünf deutschen WM-Läufe hat Sébastien Loeb gewonnen.