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Formel 1 > Rückblick, 2007
FIA verhängt härteste Strafe der Formel 1-Geschichte gegen McLaren-Mercedes:
(Quelle: motorsport-total.com)
Das mit Spannung erwartete Meeting des World Councils der FIA in Paris, ist nach mehrstündiger Verhandlung endlich beendet - und zwar mit einem Knalleffekt, den in dieser Form kaum jemand erwartet hätte:
McLaren-Mercedes werden alle Konstrukteurspunkte der Saison 2007 aberkannt. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von 100 Millionen US-Dollar (gut 72 Millionen Euro) verhängt - die mit großem Abstand höchste, die in der Geschichte der Formel 1 je verhängt wurde. Noch offen ist, ob es auch für die Saison 2008 eine Strafe geben wird.
Das Allerwichtigste aber: Die beiden Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso, die momentan auf den Positionen eins und zwei in der Gesamtwertung liegen und den WM-Titel wahrscheinlich unter sich ausmachen werden, dürfen ihre Punkte behalten und haben keine Konsequenzen zu befürchten. Das bedeutet im Klartext: Showdown in der Fahrer-WM, während Ferrari der Konstrukteurstitel kaum noch zu nehmen ist.
Gegen Mittag verließ Hamilton als Erster das Meeting: Elegant gekleidet marschierte er höflich, aber bestimmt an allen Medienvertretern vorbei, ohne etwas zu sagen, und stieg in einen schwarzen Mercedes-Benz-PKW ein. Anschließend machte das World Council eine Mittagspause, die Ron Dennis und Norbert Haug für ein gemeinsames Essen in einem nahe gelegenen Hotel nutzten. Ihre Mienen sahen zu jenem Zeitpunkt Augenzeugenberichten zufolge schon recht bedrückt aus.
Nachdem am Vormittag angeblich in erster Linie Hamilton und McLaren-Ingenieur Patrick Lowe befragt worden waren, ging es nach der Mittagspause ab 14:00 Uhr mit weiteren Zeugenaussagen und Beweisführungen weiter. Unter anderem wurde auch ein schriftlicher Bericht von Ex-Ferrari-Mitarbeiter Ross Brawn eingereicht, der extra nach Paris gekommen war, um seinen ehemaligen und möglicherweise auch künftigen Arbeitgeber zu unterstützen.
Für die Formel 1 insgesamt stellt das heutige Urteil natürlich einen gewissen Imageschaden dar, aber anzunehmen ist, dass sich die 26 World-Council-Mitglieder ihre Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Zusätzlich zur 100-Millionen-Dollar-Geldstrafe könnte McLaren-Mercedes nämlich verunsicherte Sponsoren verlieren. Immerhin: Die TV-Einnahmen von der FOM stehen den Silberpfeilen trotz der Streichung der Konstrukteurspunkte zu.
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Rennleitung bestraft Alonso und McLaren für Blockade
(Quelle: auto-motor-und-sport.de)
Ein paar Minuten vor Mitternacht gab es endlich doch noch eine Entscheidung im Fall Fernando Alonso: Der Spanier, der im Qualifying am Hungaroring seinen Teamkollegen Lewis Hamilton in der Boxengasse blockiert hatte, so dass dieser am Ende keine schnelle Runde mehr fahren konnte, wurde von der Rennleitung für schuldig befunden.
Nach mehrstündiger Beratung kamen die Rennkommissäre zu dem Entschluss, dass Alonso bei seiner Blockade tatsächlich absichtlich gehandelt hat, weshalb er in die dritte Startreihe, auf Platz sechs, zurückversetzt wurde. Damit rückt Hamilton auf die Pole Position auf, Nick Heidfeld in die erste und Nico Rosberg in die zweite Reihe. Alonso wird neben Ralf Schumacher ins Rennen gehen.
Doch wegen eines Verstoßes gegen das Verbot der Stallregie kam auch das Team McLaren-Mercedes nicht ungeschoren davon: Die Silberpfeile werden alle Konstrukteurspunkte, die sie morgen beim Grand Prix von Ungarn sammeln, verlieren, was für Ferrari natürlich eine gute Gelegenheit darstellt, in der Weltmeisterschaft Boden gutzumachen. Die Fahrerpunkte dürfen Hamilton und Alonso aber behalten.
Im Fahrerlager machte sich nach Bekanntwerden der Entscheidung eine befürwortende Stimmung breit, denn viele fühlten sich durch Alonsos Aktion an die Parkaffäre um Michael Schumacher in Monaco 2006 erinnert, als der Deutsche seinen Ferrari in der Rascasse-Kurve abgestellt hatte, um die Schlussattacken der Konkurrenz zu verhindern. Der inzwischen zurückgetretene Rekordweltmeister war damals ans Ende der Startaufstellung zurückversetzt worden.
Spionage Affäre, Ferrari klagt vor der FIA und vor Gericht gegen McLaren-Mercedes
(Quelle: auto-motor-und-sport.de)
Nachdem Ex-McLaren Mitarbeiter Mike Coughlan bereits sein Wissen über die Vorfälle an Ferrari beichten musste, zieht sich nun auch die Schlinge um Nigel Stepneys Kopf immer enger zu. Am Ende könnte der WM-Titel am Grünen Tisch entschieden werden.
Die italienische Justiz war bereits aktiv: zwei Hausdurchsuchungen und zwei Klagen, von denen eine wieder fallengelassen wurde, um an Informationen zu kommen. Der frühere Werkstattchef Nigel Stepney wird in Italien vor Gericht gestellt, weil er geheime Dokumente an einen Wettbewerber übergeben haben soll. Das Verfahren wird allerdings erst in ein paar Monaten stattfinden. "Wenn das alles sich so ergibt, wie ich glaube, werden wir frühestens Ende des Jahres bereit sein für eine erste mögliche Verhandlung", sagte der Staatsanwalt in Modena, Giuseppe Tibis, der "La Gazzetta dello Sport" (13.7.).
Der Empfänger der Dokumente Mike Coughlan geht nur deshalb straffrei aus, weil er Ferrari eine eidesstattliche Erklärung über die Vorfälle gab. Ferrari sah in dem Kuhhandel offenbar eine Chance, WM-Konkurrent McLaren-Mercedes in eine missliche Lage zu bringen. Die Fakten könnten aus Sicht einiger Teammitglieder dazu ausreichen, McLaren zu bestrafen. Es geht weniger darum, ob McLaren davon profitiert hat, sondern wieviele Leute ab wann etwas gewusst haben.
Führt mögliche Vorteilnahme zur Verurteilung?
Allein die theoretische Vorteilnahme und der unerlaubte Besitz von vertraulichen Informationen eines Mitbewerbers könnte für McLaren zum Fallstrick werden. Weil das Team für seine Mitarbeiter haftet, ist es nach Auffassung von Ferrari egal, ob es ein, zwei oder mehrere Mitarbeiter waren. Einer ist schon genug. Über diesen Anklagepunkt entscheidet am 26. Juli der FIA-Weltrat. Es könnte für McLaren schlimmstenfalls mit Punktabzug enden.
Wenn nicht eindeutig bewiesen werden kann, dass McLaren einen Vorteil aus dem vermeintlichen Wissen von Betriebsinternas des Gegners gezogen hat, wäre ein Punktabzug für McLaren und seine beiden Piloten allerdings ein Eigentor für Ferrari. Die Weltmeisterschaft wäre entwertet, der Titel am grünen Tisch Makulatur. Es könnte sogar passieren, dass viele Zuschauer bei den restlichen Rennen den Fernseher erst gar nicht mehr einschalten.
Ferrari hat Protest-Erfahrung ... und sieht sich vielmals benachteiligt
Es ist nicht das erste Mal, dass Ferrari im Titelrennen politisch eingreift. 1998 protestierte Maranello erfolgreich gegen die Doppelbremse von McLaren, die es durch gezielten Bremseingriff erlaubte, die Richtung des Fahrzeugs zu verändern. 2001 machte Ferrari gegen die Verwendung von Beryllium mobil, ein Stoff, der bei der Bearbeitung krebsfördernd sein kann. Mercedes verwendete Beryllium bei den Kolben seiner Motoren und hatte als einziger Hersteller diese Technologie im Griff. Ironie der Geschichte: Ferrari hatte den extrem leichten und steifen Werkstoff in der Formel 1 salonfähig gemacht. Er wurde zunächst nur bei Bremssätteln eingesetzt.
2003 ging Ferrari im Finale des Titelrennens gegen die Michelin-Reifen vor. Man argumentierte im Zusammenspiel mit Reifenpartner Bridgestone, dass die französischen Reifen der Titelgegner Williams und McLaren während der Fahrt durch Verformung der Lauffläche die maximal zulässige Breite von 270 Millimeter überschreiten würden. Ferrari und Bridgestone bekamen Recht. Im letzten Jahr spürte Renault den langen Arm aus Maranello. Ferraris Rivale im Kampf um den Titel musste für die letzten sieben Rennen den sogenannten Massedämpfer ausbauen. Er war zunächst von der FIA genehmigt worden und deshalb integrale Bestandteil des Fahrzeugkonzepts.
Geschickte Kampagne gegen Renault im Titelkampf 2006
Ferrari hielt sich bei der Aktion gegen den Massedämpfer geschickt im Hintergrund. Der ursprüngliche Protest kam von McLaren-Mercedes. Doch als man in Maranello merkte, wie stark die Renault ohne den Massedämpfer geschwächt wurden, beteiligte man sich zusammen mit anderen Teams an der Kampagne. Da war der Ausbau des eigenen Massedämpfers das kleinere Übel. Ferrari hatte sein System nach Bekanntwerden des Renault-Tricks in Eile entwickelt. Es war bei weitem nicht so effizient wie das des Gegners.
Der aktuelle Fall hat einen ähnlichen Geschmack, jedoch eine ganz andere Dimension. Diesmal geht es nicht um einen sichtbaren technischen, sondern um einen theoretischen Vorteil, von dem man bis heute noch nicht einmal weiß, ob er genutzt wurde. Ferrari sorgt sich am meisten darum, dass McLaren nun über Arbeitsabläufe, Budgets, Testpläne und interne Strukturen Bescheid wissen könnte. Für den Transfer von diesen Informationen braucht es aber keine Kopiermaschine. Die nimmt jeder Ingenieur beim Wechsel des Teams in seinem Kopf mit.
Ferrari hofft auf klare Beweise
Wenn die Untersuchung der FIA zu Tage fördern würde, dass McLaren technische Details vom Ferrari F2007 abgekupfert hätte, wäre der Fall einfach. Dann würde jeder eine Bestrafung verstehen, sogar einen Punktabzug. Deshalb muss Ferrari hoffen, dass die Inspektion eines Computers, den Coughlan in der Firma genutzt hatte, etwas Handfestes zu Tage fördert. Ferrari hatte beim obersten Gerichtshof in England durchsetzen lassen, dass dieser Computer beschlagnahmt wird.
FIA untersucht Ferrari/McLaren-Mercedes-Fall
(Quelle: Motorsport-Total.com)
Am Dienstag hatte McLaren-Mercedes-Team in einer Presseaussendung bekannt gegeben, dass das Team darüber informiert wurde, dass ein Mitarbeiter von einem Ferrari-Mitarbeiter heikle technische Informationen erhalten haben soll. Untersuchungen wurden angekündigt, man sicherte Ferrari die volle Unterstützung bei der Aufklärungsarbeit zu.
Obschon das Dokument mit dem Satz 'Weitere Kommentare werden nicht folgen' schloss, gab das Team nur einen Tag später weitergehende Informationen heraus. Nach "gründlichen Untersuchungen" sei man zur Erkenntnis gelangt, "dass kein geistiges Eigentum von Ferrari zu anderen Mitgliedern des Teams durchgedrungen oder gar in die Autos eingeflossen ist".
Somit stärken die Untersuchungen die Ansicht, dass lediglich ein "hochrangiger Mitarbeiter des technischen Stabs" die Ferrari-Daten erhalten habe - dabei dürfte es sich um Mike Coughlan handeln, der seit 2002 Chefdesigner in Woking war.
"McLaren hat die Angelegenheiten in der Zwischenzeit gegenüber der FIA und Ferrari offengelegt, um alle Bedenken auszuräumen", heißt in der Pressemittelung weiter. Um den Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen, habe man zudem die FIA eingeladen, die Autos vollständig zu untersuchen. Damit könne sichergestellt werden, dass man nicht vom geistigen Eigentum eines Kontrahenten profitiert habe.
"Mit der vollen Unterstützung der beiden Teams hat FIA eine Untersuchung der Angelegenheiten eingeleitet", heißt es in einer Pressemitteilung.
Als Richtmaß für die Untersuchungen konzentriert sich die FIA "ausschließlich auf die Bestimmungen, die vom International Sporting Code und dem Formel-1-Reglement vorgegeben werden", hieß es weiter. Die FIA könnte als neutraler Vermittler also Abgleiche zwischen den Autos vornehmen, ohne dass ein Team Daten direkt an den Kontrahenten herausgeben muss.
FIA verschärft Unterbodentests
Aufregung in den Technikbüros. Um endgültig auszuschließen, dass einige Teams den Unterboden als bewegliche Aerodynamik-Hilfe einsetzen, werden die Belasttungstests erheblich verschärft.
Nachdem McLaren in einem Schreiben vergeblich versucht hatte, Ferrari wegen einer Feder am vorderen Teil des Unterbodens anzuschwärzen, testeten die FIA-Ingenieure die Autos aller Teams mit einem Gewicht von 50 Kilogramm. Dabei durfte sich der Unterboden um nicht mehr als fünf Millimeter verbiegen.
Ferrari wurde bei dem Test nicht auffällig. Daraufhin bauten die Roten ihre Feder wieder ein. Stattdessen mussten Red Bull, Renault und Honda ihre Unterböden nachbessern. Aber einige Team-Ingeneure hatten technische Möglichkeiten gefunden, dass die Rennwagen den bisherigen Tests der FIA standgehalten hatten, im Rennen aber die aerodynamischen Vorteile der flexiblen Unterböden voll entfalten konnten.
200 statt 50 Kilogramm
Nun kamen FIA-Rennleiter Charlie Whiting Zweifel, ob 50 Kilogramm Zugbelastung aureichen, um die Windkräfte in Bereichen jenseits von 250 km/h zu simulieren. Daher werden künftig 200 Kilogramm angehängt.
Nun herrscht Aufregung in den Technikabteilungen. Ein derart steifer Unterboden könnte beim Überfahren von Randsteinen brechen. "Viele müssen das Auto höher setzen. Schon ein Millimeter kann zwei Prozent weniger Abtrieb bedeuten", sagt Toyota-Chefingenieur Pascal Vasselon.
Nun also doch: FIA reagiert auf Affäre um flexible Unterböden
Die FIA führt mit sofortiger Wirkung verschärfte Tests für die Unterböden ein, um dem Treiben von Ferrari und auch BMW-Sauber einen Riegel vorzuschieben.
In Melbourne wurden die beiden Ferrari-Boliden trotz der informellen Proteste einiger Konkurrenten noch für legal erklärt, doch ganz sauber scheint die Regelauslegung der Italiener in Bezug auf den angeblich flexiblen Unterboden nicht gewesen zu sein. Laut Informationen von 'autosport.com' werden daher nun die entsprechenden FIA-Tests verschärft.
Zum Vorschein gekommen war die Angelegenheit, als Patrick Lowe von McLaren-Mercedes in einem Schreiben an FIA-Inspektor Charlie Whiting wissen wollte, ob das von Ferrari und angeblich auch vom BMW Sauber F1 Team eingesetzte System legal sei, weil man es dann bis zum Grand Prix von Malaysia auch in den Silberpfeil einbauen möchte. Allerdings kam von Whiting nur ein Nein - und zwar eines, das er schriftlich auch allen anderen zehn Teams zukommen ließ.
Doch wie funktioniert der flexible Ferrari-Unterboden eigentlich? Die Verbindung zum Monocoque erfolgt nicht über starre Stücke wie bisher, sondern über eine Feder, die zwar steif genug ist, um den Belastungstest der FIA (maximal fünf Millimeter Verwindung bei 500 Newton Druck von unten) zu bestehen, aber bei noch höherer Belastung im Fahrbetrieb sehr wohl nachgibt. Dadurch verschiebt sich der Unterboden nach oben, was höhere Topspeeds zulässt.
Nun hat Whiting klargestellt, dass die Flexibilität der Unterböden bei der technischen Abnahme am Donnerstag in Malaysia ohne die Federmechanismen getestet werden, was nach aktuellem Wissensstand nur Ferrari und das BMW Sauber F1 Team betrifft. Warum? Ferraris System entspricht zwar Artikel 3.17.4 des Technischen Reglements, der sich spezifisch mit dem Unterboden beschäftigt, nicht aber Artikel 3.15, durch den bewegliche aerodynamische Hilfsmittel verboten sind.
Die Moral der Geschichte: McLaren-Mercedes hat erreicht, was erreicht werden sollte, nämlich ein Verbot des flexiblen Unterbodens, auch wenn man Ferrari kein absichtliches Schummeln nachweisen konnte. Die Idee mit dem Federmechanismus war nämlich wieder einmal ein klassisches Beispiel dafür, wie man den Geist des Reglements verletzten konnte, ohne tatsächlich gegen eine Regel zu verstoßen. Daher hat die FIA nun eingegriffen.